Georg Schumann, op. 75: Drei Choralmotetten:
1. Jerusalem, du hochgebaute Stadt;
2. Sollt ich meinem Gott nicht singen?;
3. Mit Fried‘ und Freud‘ ich fahr dahin. Für 8stimmigen gemischten Chor. Lienauische Musikverlage, Berlin-Lichterfelde – (a.d.R. heute Jubal Musik Verlag)
Der bald in das biblische Alter tretende aber noch in unverminderter Frische weiterschaffende Berliner Singakademiedirektor hat sich mit dem vorliegenden Werk einmal wieder seinem eigensten, dem Chorgebiet, zugewandt, worauf er nun schon seit Jahrzehnten nicht nur als autoritärer Interpret älterer und ebenso bahnbrechender Vorkämpfer wertvoller neuerer Musik eine führende Stellung einnimmt, sondern dem er auch selbst eine ganze Reihe bedeutsamer Werke schenkte. – Wer in diesen den Komponisten zwar von keiner neuen Seite zeigenden, aber großzügig aufgebauten, edel empfundenen und meisterlich gesetzten drei a-capella-Chören – von denen nur der dritte mit Begleitung von 3 Hörnern, 3 Posaunen, Tuba und Pauke versehen ist – vielleicht den Stil der Bachschen Motette, wie s nach der Bezeichnung nahe läge, zu finden erwartet, der täuscht sich gewaltig. Dazu ist Schumann trotz seiner innigen Bachverbundenheit offenbar viel zu sehr der durch Wagner hindurchgegangene Neuromantiker, der ihm auch hier die Feder führt und ihn oftmals als nahen geistigen Verwandten jenes Hugo Wolf erscheinen läßt, wie er sich uns in seinen „einzigen“ sechs geistlichen Eichendorf-Chören präsentiert. Bei dem Mangel oder wenigstens nicht vorhandenem Überreichtum ebenbürtiger Werke in der einschlägigen Konzertliteratur bedarf eine derart gewichtige Neuerscheinung wohl kaum noch der besonderen Empfehlung.