Georg Schumann: Die "Preis-Symphonie"
Georg Schumanns 1886 komponierte Symphonie in h-Moll wurde Ostern 1887 im Leipziger Konservatorium unter Leitung des Komponisten uraufgeführt. Das Leipziger Wochenblatt vom 14. April 1887 schrieb dazu:
"Alles hat Hand und Fuß, wie sich ein Gedanke aus dem andern logisch entwickelt, so sicher gewinnt der Komponist auch in rein klanglicher Beziehung."
Im Sommer 1888 veranstaltete das Berliner Konzerthaus in der Leipziger Straße eine Preisausschreibung für Sinfonien der Direction des Konzerthauses mit dem Motto 'Res severa est verum gaudium' für symphonische Werke, Suiten und Melodramen. Drei der bedeutendsten Tonkünstler Berlins, die nicht genannt wurden, hatten nicht weniger als 57 Symphonien zu prüfen. Georg Schumanns Werk wurde „preisgekrönt“ und fortan als Preis-Symphonie bezeichnet. Der zweite Preis ging an einen Herrn Mann aus Bremen, der dritte Preis wurde Herrn Dante aus Stockholm zuerkannt. Der Gewinn des ersten Preises machte Schumann schlagartig in ganz Deutschland bekannt und erregte viel Aufsehen. Er dirigierte sein Werk mehrmals in Berlin, von dessen zweiten Berliner Aufführung am 28. November 1888 im Berliner Tageblatt vom 30. November berichtet wird:
"Man muß es dem Besitzer des Konzerthauses, Herrn Franz Medding, also einem Privatmann, hoch anrechnen, daß er zur Ermutigung für strebende Komponisten und für die Pflege der edelsten Kunstrichtung ein für Privatverhältnisse nicht unbedeutendes Opfer gebracht hat, da er für den ersten, von oben genannten Herrn gewonnenen Preis 1000 Mark und außerdem noch zwei Preise von 500 und 300 Mark ansetzte. […] Zunächst muß seine ehrliche künstlerische Art hervorgehoben werden, die Gesundheit seines Wesens. […] Da ist nichts von phrasenhafter Gespreiztheit, keine Altklugheit, kein Flunkern von erlogenen Schmerzen, kein hohler blechgepanzerter Bombast und dergleichen. Das Werk atmet gesunde Jungend, tüchtiges Können und höchst lobenswertes Wollen. […] Sehr zu loben ist die Instrumentation der Sinfonie. Obgleich immer klang- und wirkungsvoll, geht sie allen Blech-Rohheiten glücklich aus dem Wege, überall ein rechtes Maß festhaltend. Das achtungswerte Werk, vom Komponisten selbst recht gewand geleitet, errang lebhaften Beifall."
Von einer weiteren Aufführung mit der Gewerbehauskapelle in Dresden berichtet das Dresdener Tageblatt am 11. Dezember 1888.
"Wir haben hier das Werk eines großen Talentes in der musikalischen Erfindungs- und Gestaltungskraft vor uns. Die neue h-Moll Symphonie zeichnet sich vor allem durch eine fließende, reizvolle und ungesuchte Melodik aus …"
In Chemnitz berichtet das dortige Tageblatt über das Konzert der städtischen Kapelle am 1. Februar 1890:
"In derselben (Symphonie) offenbart sich unbestreitbar ein starkes, frisches und gesundes Talent, das, auf den Bahnen von Beethoven und Robert Schumann wandelnd, schon jetzt eine kraftvolle Eigenart aufweist …."